Steinobst: Welche Früchte dazugehören (mit Liste)
Der Obstkorb an einem Julimorgen ist randvoll: ein paar Aprikosen, zwei Nektarinen, dazwischen die ersten Kirschen der Saison. Beißt man in jede einzelne Frucht hinein, passiert irgendwann dasselbe: der Zahn trifft auf etwas Hartes. Genau dieser Kern verbindet eine ganze Gruppe von Früchten, botanisch enger miteinander verwandt, als man beim Anblick von Kirsche und Mango im selben Regal vermuten würde. Wer schon einmal gefragt hat, ob die Aprikose eigentlich zur Pflaume gehört oder warum ausgerechnet die Kokosnuss in dieselbe Familie fällt wie der Pfirsich, findet hier die Antworten und die vollständige Liste dazu.
Was ist Steinobst?
Steinobst, botanisch Drupe oder Steinfrucht genannt, sind Früchte, deren einzelner Samen von einer harten, holzigen Schale umschlossen ist: dem namensgebenden Stein. Um diesen Stein liegt das saftige Fruchtfleisch, außen schützt eine dünne Fruchthaut die ganze Frucht. Die meisten heimischen Steinobstarten gehören botanisch zur Gattung Prunus innerhalb der Rosengewächse, darunter Kirsche, Pflaume, Aprikose, Pfirsich und Nektarine. Der Begriff beschreibt also nicht Süße, Farbe oder Herkunft, sondern ausschließlich den Aufbau der Frucht: ein einzelner, hart ummantelter Kern statt vieler kleiner Samen wie beim Kernobst oder unzähliger winziger Kerne wie bei einer Beere.
Die komplette Steinobst-Liste
Zu den heimischen Steinfrüchten, die zwischen Mai und September in deutschen Gärten und auf Obstplantagen reifen, zählen:
- Kirsche, als Süßkirsche zum Naschen und als Sauerkirsche zum Backen und Einkochen
- Pflaume und Zwetschge, wobei die Zwetschge die länglichere, festere Unterart der Pflaume ist
- Mirabelle, die kleine gelbe Verwandte der Pflaume
- Aprikose, samtig, orange und mit kurzer, intensiver Saison
- Pfirsich, mit der glatthäutigen Nektarine als naher Verwandter
- Nektarine, botanisch nichts anderes als ein Pfirsich ohne die samtige Schale
- Renekloden und Kriecherl, zwei weniger bekannte Pflaumensorten, die im September auf manchem Wochenmarkt auftauchen
Dazu kommen Steinfrüchte, die man auf den ersten Blick gar nicht in dieser Gruppe vermutet:
- Dattel, die Frucht der Dattelpalme
- Mango, mit einem flachen, faserigen Kern in der Mitte
- Olive, die roh praktisch ungenießbar ist und erst durch Einlegen zur bekannten Tafelolive wird
- Kokosnuss, die größte Steinfrucht der Welt, dazu gleich mehr
Diese Liste ist nicht abschließend, weltweit zählen Botaniker mehrere hundert Arten zu den Steinfrüchten. Für den deutschen Küchenalltag deckt sie aber praktisch alles ab, was Ihnen in Obstkiste, Supermarkt oder auf dem Wochenmarkt begegnet.
Steinobst, Kernobst und Beeren: der Unterschied
Die drei Gruppen werden im Alltag gern durcheinandergeworfen, botanisch trennt sie aber ein klares Merkmal: die Struktur des Samens.
| Merkmal | Steinobst | Kernobst | Beere |
|---|---|---|---|
| Samenstruktur | ein einzelner Samen in hartem Stein | mehrere kleine Kerne im Kerngehäuse | viele winzige Samen im Fruchtfleisch verteilt |
| Typische Beispiele | Kirsche, Pflaume, Aprikose, Pfirsich | Apfel, Birne, Quitte | Johannisbeere, Weintraube, Heidelbeere, botanisch auch Tomate und Banane |
| Botanische Familie | meist Rosengewächse, Gattung Prunus | Rosengewächse, Unterfamilie Kernobstgewächse | sehr unterschiedlich, je nach Art |
| Erdbeere und Himbeere | gehören hier nicht dazu | gehören hier nicht dazu | umgangssprachlich ja, botanisch Sammelfrüchte |
Der letzte Punkt überrascht die meisten: Erdbeeren sind botanisch weder Beeren noch Steinobst, sondern sogenannte Sammelnussfrüchte, die kleinen gelben Punkte auf der Schale sind die eigentlichen Früchte. Küchensprachlich spielt das keine Rolle, botanisch aber schon, und es zeigt, wie wenig die Alltagssprache mit der wissenschaftlichen Einteilung zu tun hat.
Saisonkalender für Steinobst
Wer heimisches Steinobst zur richtigen Zeit kauft, bekommt es reifer vom Baum und meist auch aromatischer, weil es nicht für einen langen Transport früh geerntet werden musste.
| Monat | Was hat Saison |
|---|---|
| Mai bis Juni | erste Süßkirschen, letzte Rhabarber-Wochen |
| Juni bis Juli | Kirschen im Hauptertrag, erste Aprikosen |
| Juli bis August | Aprikosen, Pfirsiche, Nektarinen, frühe Pflaumen |
| August bis September | Zwetschgen, Pflaumen, Mirabellen, Renekloden |
| ganzjährig, importiert | Mango, Kokosnuss, Dattel, Oliven |
Die importierten Sorten wachsen in tropischem oder subtropischem Klima und sind deshalb das ganze Jahr über verfügbar, während heimisches Steinobst an ein enges Fenster von etwa vier Monaten gebunden ist. Genau in diesem Fenster lohnt sich der Griff zur Obstkiste am meisten, weil die Ware direkt nach der Ernte verpackt wird und nicht wochenlang im Kühllager auf den Verkauf wartet.
Lagerung und Nachreife: so bleibt Steinobst länger frisch
Nicht jede Steinfrucht verhält sich nach der Ernte gleich. Aprikosen, Pfirsiche, Nektarinen und Pflaumen reifen nach dem Pflücken noch nach, sie zählen zu den klimakterischen Früchten. Legen Sie leicht unreife Exemplare bei Zimmertemperatur in eine Papiertüte, am besten zusammen mit einem Apfel, dessen Ethylengas den Reifeprozess beschleunigt. Nach zwei bis drei Tagen sind sie meist deutlich weicher und süßer im Aroma.
Kirschen dagegen reifen nach der Ernte nicht mehr nach. Was beim Kauf hart und wenig süß ist, bleibt das auch. Kirschen halten sich am besten im Kühlschrank, idealerweise ungewaschen und in einem offenen Gefäß, damit keine Feuchtigkeit Schimmel begünstigt. Gewaschen wird erst direkt vor dem Essen.
Ein häufiger Fehler bei Pfirsichen und Nektarinen: Sie landen zu früh im Kühlschrank. Unter etwa vier Grad stoppt die Aromabildung, das Fruchtfleisch wird mehlig statt saftig, ein Effekt, den Lebensmittelchemiker als Chilling Injury bezeichnen. Lassen Sie beide Sorten deshalb erst bei Raumtemperatur voll ausreifen und kühlen Sie sie höchstens für die letzten ein bis zwei Tage vor dem Verzehr, wenn es schnell gehen soll.
Kokosnuss, Dattel und Olive sind dagegen deutlich unempfindlicher. Eine ungeöffnete Kokosnuss hält sich bei Zimmertemperatur mehrere Wochen, getrocknete Datteln sogar mehrere Monate im Vorratsschrank.
Überraschende Steinfrüchte: Mango, Kokosnuss und Olive
Dass Mango, Kokosnuss und Olive botanisch zur selben Gruppe zählen wie die heimische Kirsche, überrascht selbst regelmäßige Obstesser. Bei der Mango sitzt der flache, faserige Kern gut versteckt in der Mitte der Frucht, weshalb er beim Aufschneiden gern übersehen wird, bis das Messer daran hängen bleibt. Die Kokosnuss ist mit Abstand die größte Steinfrucht der Welt: Was wir landläufig als Nuss bezeichnen, ist tatsächlich eine Drupe mit drei Schichten, der äußeren faserigen Hülle, der harten braunen Schale und dem essbaren Kern darin. Botanisch korrekt müsste sie also Steinfrucht heißen, der deutsche Name Kokosnuss hat sich trotzdem durchgesetzt, weil er im Sprachgebrauch einfach griffiger war.
Bei der Olive fällt die Zuordnung noch schwerer, weil sie roh vom Baum bitter und ungenießbar ist. Erst durch tagelanges Einlegen in Wasser, Salzlake oder Lauge verliert sie den bitteren Stoff Oleuropein und wird zur bekannten Tafelolive. Auch sie trägt einen harten Kern im Inneren, botanisch also eindeutig Steinobst, kulinarisch aber meist als Gemüse oder Beilage einsortiert.
Häufige Fragen zu Steinobst
Ist die Mandel auch Steinobst?
Ja, wenn auch mit einer Besonderheit. Die Mandel ist botanisch der Samen im Inneren des Steins einer Steinfrucht, nahe verwandt mit Pfirsich und Aprikose. Anders als bei Kirsche oder Pflaume essen wir bei der Mandel nicht das Fruchtfleisch, sondern den Samen selbst, das dünne, ledrige Fruchtfleisch um den Stein wird bei der Ernte entfernt und landet nicht im Handel.
Warum sollte man Kirschkerne nicht essen?
Kirschkerne enthalten Amygdalin, eine Verbindung, aus der beim Zerkauen Blausäure freigesetzt werden kann. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung ist ein einzelner, versehentlich verschluckter Kern unbedenklich, weil die intakte Schale ihn meist unverdaut wieder ausscheidet. Zerbissene oder gemahlene Kerne in größerer Menge sollten Sie dagegen nicht essen, bei Kindern gilt besondere Vorsicht.
Kann man Steinobst einfrieren?
Ja, die meisten Sorten vertragen das gut. Kirschen, Pflaumen und Aprikosen entsteinen, waschen, trocken tupfen und einzeln vorgefroren einfrieren, damit sie sich später nicht zu einem Klumpen verbinden. Pfirsiche und Nektarinen halten sich am besten geschält und in Spalten geschnitten, mit etwas Zitronensaft beträufelt gegen das Braunwerden. So eingefroren bleiben die meisten Sorten sechs bis acht Monate gut verwendbar, etwa für Kuchen, Kompott oder Smoothies.
Wer nach dieser Liste Lust auf die ganze Bandbreite an Steinobst bekommen hat, muss nicht bei einer einzelnen Sorte stehen bleiben: Unsere Obstkiste bringt genau das, was gerade reif vom Baum kommt, wöchentlich frisch nach Hause, ohne dass Sie jede Sorte einzeln zusammensuchen müssen. Einen vollständigen Überblick über alle Obstsorten von A bis Z, mit Saisonzeiten und Verwendungstipps, liefert unser Beitrag Obst von A-Z. Und wer die September-Zwetschgen aus der Liste weiterverarbeiten möchte, findet im Rezept für Zwetschgenkuchen vom Blech die passende Anleitung dafür.



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