Saisonkalender Mai: Dieses Obst und Gemüse hat jetzt Saison
Ein Bund Spargel quietscht leise, wenn Sie die Stangen aneinander reiben, und genau daran erkennen Sie, dass er heute Morgen noch in der Erde stand. Daneben liegen ein paar Radieschen, das Laub noch dran, und ein Rhabarberstiel, der die halbe Küchenzeile überragt. Der Mai ist der Monat, in dem der deutsche Anbau nach Wochen der Lagerware endlich wieder liefert: Nicht üppig, aber frisch. Wer wissen möchte, was jetzt tatsächlich vom Feld kommt und was noch aus dem Kühllager der vergangenen Ernte stammt, findet hier die Übersicht für diesen Monat, dazu drei Rezeptideen und den aktuellen Kisteninhalt.
Mai-Gemüse im Überblick
Die Hauptrolle spielt der Spargel, weiß wie grün, und er spielt sie bis zum 24. Juni, dem Johannistag, an dem die Ernte traditionsgemäß endet, damit sich die Pflanzen erholen können. Im Mai ist er auf dem Höhepunkt: Die Böden sind durchgewärmt, die Stangen wachsen an warmen Tagen mehrere Zentimeter, und die Preise geben nach, weil die Menge stimmt.
Gleich daneben startet das schnelle Frühjahrsgemüse. Radieschen kommen jetzt aus dem Freiland statt aus dem Folientunnel und schmecken deshalb kräftiger, manchmal richtig scharf. Kohlrabi steht in der ersten Freilandwelle, zart genug, um ihn roh in Stifte zu schneiden. Dazu kommen Kopfsalat, Batavia und Eichblattsalat, Frühlingszwiebeln und junger Spinat aus der Frühjahrsaussaat. Bundmöhren mit Grün gibt es regional erst gegen Monatsende und dann aus dem Vlies- oder Folienanbau, Mangold beginnt erst im Juni.
Beim Kohl beginnt die Frühware: Spitzkohl ist milder und lockerer gewachsen als seine Wintergeschwister und braucht kaum Garzeit. Ende Mai schieben sich in guten Jahren der erste Blumenkohl und der erste Frühwirsing aus deutschem Freiland dazu, allerdings hängt das stark vom Wetterverlauf der vorangegangenen Wochen ab. Zuckerschoten und Erbsen aus deutschem Anbau folgen dagegen erst im Juni. Bärlauch verabschiedet sich in dieser Zeit, sobald er blüht, lässt das Aroma nach.
Gurken, Tomaten und Salatpaprika sind im Mai zwar deutsche Ware, stammen aber aus dem geschützten Anbau, also aus Gewächshäusern und Folientunneln. Das ist keine Mogelpackung, sondern eine eigene Kategorie: heimisch erzeugt, kurze Wege, aber eben nicht vom offenen Feld. Freilandtomaten aus Deutschland gibt es frühestens im Juli.
Mai-Obst im Überblick
Beim Obst fällt die Bilanz deutlich schmaler aus, und daran ändert auch der schönste Frühlingstag nichts. Der Mai liegt genau in der Lücke zwischen der letzten Lagerware des Vorjahres und der ersten Ernte des laufenden Jahres.
Was jetzt beginnt, sind Erdbeeren. Die frühesten deutschen Erdbeeren wachsen unter Folie oder im Tunnel und sind je nach Region ab Anfang bis Mitte Mai zu haben. Das Freiland folgt gegen Monatsende, und erst dann werden die Früchte kleiner, dunkler und aromatischer.
Der zweite Frühlingsbote ist Rhabarber, botanisch ein Stängelgemüse, in der Küche aber fast immer Obstersatz. Auch für ihn gilt der Johannistag als Schlusspunkt der Ernte. Roh ist er wegen der Oxalsäure ungeeignet, gekocht dagegen unproblematisch, und je dünner die Stangen, desto milder fallen sie aus.
Ansonsten stehen im Mai Äpfel aus deutschen Anlagen im Regal, die aus der Ernte des Vorjahres stammen und seither im Lager lagen. Sorten wie Braeburn, Jonagold oder Boskoop halten sich in modernen Lagern bis in den Frühsommer, verlieren dabei aber an Biss. Kirschen, Beeren und Zwetschgen sind noch Wochen entfernt. Alles andere, was im Mai an Obst angeboten wird, ist Importware. Das erklärt die schmale deutsche Auswahl in dieser Zeit.
Was jetzt aus deutschem Anbau kommt und was aus dem Lager
Der Mai ist der Monat, in dem sich die beiden Warenströme überkreuzen. Frisch geerntet und in der Regel wenige Tage alt sind Spargel, Rhabarber, Radieschen, Kohlrabi, Salate, Spinat, Frühlingszwiebeln und der frühe Kohl. Aus dem Lager kommen dagegen Kartoffeln, Zwiebeln, Knollensellerie, Rote Bete und Möhren ohne Grün, alle aus der Ernte des vergangenen Herbstes.
Gerade bei Kartoffeln lohnt der genaue Blick. Die Lagerkartoffel des Vorjahres ist im Mai am Ende ihrer Zeit, sie wird weicher und treibt schneller aus, bleibt aber gut verwendbar, solange sie fest ist und keine grünen Stellen zeigt. Die ersten deutschen Frühkartoffeln aus dem Folienanbau kommen regional ab Ende Mai dazu, flächendeckend eher im Juni. Sie haben eine dünne, oft noch schälbare Schale und schmecken deutlich süßlicher.
Lagerware ist dabei kein Nachteil, sondern der Grund, warum regionale Versorgung überhaupt über zwölf Monate funktioniert. Eine Zwiebel, die im September geerntet und getrocknet wurde, ersetzt im Mai eine Zwiebel aus Übersee. Entscheidend ist nur, dass Sie wissen, was Sie vor sich haben, denn Lagerware verlangt in der Küche ein wenig andere Behandlung als Frischware: kürzer würzen, länger garen, großzügiger putzen.
Drei Rezeptideen für Mai-Gemüse
Spargel aus dem Ofen mit Zitrone. Grünen Spargel nur im unteren Drittel schälen, weißen komplett, dann auf ein Blech legen, mit Olivenöl, Salz und etwas Zitronenabrieb mischen und bei 200 Grad rund 20 Minuten backen. Der Ofen spart das Kochwasser und damit auch das Aroma, das sonst im Topf zurückbleibt. Dazu passen Lagerkartoffeln aus dem Salzwasser und ein Klecks Kräuterquark.
Radieschen-Kohlrabi-Salat mit Kräutern. Beides fein hobeln, mit Zitronensaft, Öl, Salz und einer Prise Zucker anmachen und zehn Minuten ziehen lassen, bis der Kohlrabi weich wird, ohne matschig zu werden. Das Radieschenlaub nicht wegwerfen: gewaschen, klein geschnitten und untergehoben bringt es eine milde Schärfe mit, die an Rucola erinnert.
Spinat mit Frühlingszwiebeln und Ei. Frühlingszwiebeln in Ringe schneiden, in Butter anschwitzen, den gewaschenen Spinat portionsweise dazugeben und nur so lange rühren, bis er zusammenfällt. Mit Muskat und Salz abschmecken, zwei Eier darauf stocken lassen, fertig. Junger Mai-Spinat braucht keine Vorbehandlung und keine langen Garzeiten, er enthält Eisen, Folat und Vitamin K, verliert davon aber einiges, wenn er zu lange im Topf liegt.
Was diese Woche in der Bauerntüte steckt
In einer typischen Mai-Kiste liegen gerade Spargel, ein Bund Radieschen, Kohlrabi, ein Kopfsalat, Frühlingszwiebeln, junger Spinat und je nach Woche Rhabarber oder die ersten Erdbeeren. Dazu kommen Kartoffeln und Zwiebeln aus dem Lager als Basis für die Woche. Was genau in der Kiste landet, entscheidet die Ernte der jeweiligen Woche, deshalb schwankt der Inhalt und sieht nie zweimal exakt gleich aus. Planen Sie den Spargel am besten für die ersten beiden Tage nach der Lieferung ein, denn er verliert schnell an Saft, während sich Kohlrabi und Kartoffeln problemlos bis zum Wochenende halten.
Ausblick Juni
Im Juni wird es deutlich voller. Die Erdbeeren stehen dann in der Freilandhauptsaison, die ersten Süßkirschen und Johannisbeeren kommen dazu, und beim Gemüse rücken Zucchini, Zuckerschoten, Erbsen, Fenchel und Blumenkohl in die Kisten, gegen Monatsende die ersten Buschbohnen. Gleichzeitig fällt am 24. Juni der Vorhang für Spargel und Rhabarber, beide verschwinden dann bis zum nächsten Frühjahr. Wer die Auswahl der jeweiligen Woche nicht selbst zusammenstellen möchte, bekommt sie mit dem Abo für die regionale Gemüsekiste automatisch geliefert, angepasst an das, was gerade wächst.
Häufige Fragen zum Mai-Saisonkalender
Was hat im Mai Saison?
Aus deutschem Freiland kommen im Mai vor allem Spargel, Rhabarber, Radieschen, Kohlrabi, Salate, Spinat, Frühlingszwiebeln und Spitzkohl. Gegen Monatsende folgen erster Blumenkohl, Frühwirsing und die ersten Bundmöhren. Mangold, Zuckerschoten und Erbsen beginnen dagegen erst im Juni. Beim Obst sind es Erdbeeren, anfangs aus dem Tunnel, ab Monatsende aus dem Freiland. Alles andere stammt aus dem Lager oder aus dem Import.
Gibt es im Mai schon deutsche Erdbeeren?
Ja, allerdings zuerst aus dem geschützten Anbau unter Folie oder im Tunnel. Diese Früchte sind meist größer und heller. Die Freilanderdbeere folgt gegen Ende Mai und hat mehr Aroma, weil sie langsamer reift.
Bis wann gibt es Spargel und Rhabarber?
Für beide endet die Ernte in Deutschland traditionell am 24. Juni. Danach brauchen die mehrjährigen Pflanzen Zeit, um Reserven für das kommende Jahr einzulagern. Der Mai ist damit der letzte volle Monat der Saison.
Warum liegt im Mai so wenig heimisches Obst in der Kiste?
Weil die Obstbäume und Sträucher zu dieser Zeit gerade erst abblühen. Die Lagerware der Vorjahresernte geht zur Neige, und an Bäumen und Sträuchern beginnt die neue Ernte erst im Juni mit Kirschen und Beeren. Nur die Erdbeere macht als Staude eine Ausnahme. Diese Lücke lässt sich nicht mit deutscher Ware füllen, sondern nur mit Import, und das benennen wir lieber offen, statt sie zu kaschieren.




Hinterlasse einen Kommentar
An der Diskussion beteiligen?Hinterlasse uns deinen Kommentar!