Durian

Durian: Warum die Stinkfrucht Fans und Feinde hat

Der Geruch kommt zuerst. Noch bevor Sie die stachelige Frucht überhaupt sehen, mitten auf einem Markt in Bangkok oder in der Kühltruhe eines Asia-Ladens um die Ecke, hat sich die Nase schon gemeldet: irgendwo zwischen altem Käse, Zwiebeln und einem Hauch Gasleck. Willkommen bei der Durian, der einzigen Frucht der Welt, die aus Hotels, U-Bahnen und Flugzeugen verbannt wurde, während Kenner in Thailand für ein einziges Exemplar mehrere hundert Baht zahlen.

Zwei so gegensätzliche Reaktionen auf eine einzige Frucht gibt es sonst kaum. Genau deshalb lohnt sich ein ehrlicher Blick darauf, was da eigentlich unter der Stachelschale steckt.

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Was ist Durian eigentlich?

Die Durian (botanisch Durio zibethinus) ist die Frucht mehrerer Baumarten aus der Familie der Malvengewächse, entfernt verwandt mit Kakao und Hibiskus. In Südostasien trägt sie den Titel „König der Früchte“, einen Titel, den dort ernsthaft niemand infrage stellt. Der Baum wird bis zu 40 Meter hoch, die Frucht selbst wiegt zwischen einem und fünf Kilogramm und ist von einer dicken, mit kräftigen Stacheln besetzten Schale umgeben. Im Inneren liegen mehrere Fruchtfächer mit cremigem, gelblichem Fruchtfleisch um walnussgroße Kerne.

Es gibt rund 30 bekannte Durio-Arten, von denen aber nur etwa neun überhaupt essbare Früchte tragen. Im Handel landet praktisch ausschließlich Durio zibethinus, mit hunderten Sorten darunter. Musang King, D24 und Monthong sind die bekanntesten, sie unterscheiden sich deutlich in Süße, Cremigkeit und eben auch in der Intensität des Geruchs.

Warum riecht sie so, und warum isst man sie trotzdem?

Der Geruch ist kein Zufall und kein Zeichen von Verderb, das ist die Frucht in ihrem besten Zustand. Verantwortlich sind mehrere Dutzend flüchtige Schwefelverbindungen, die sich mit fruchtigen Estern mischen, ein Cocktail, den kein anderes bekanntes Lebensmittel in dieser Kombination produziert. Ein Forscherteam aus Singapur entschlüsselte 2017 das Erbgut der Durian und veröffentlichte die Ergebnisse im Fachjournal Nature Genetics. Dabei fanden die Wissenschaftler mehrere zusätzliche Kopien eines Gens, das an der Bildung genau dieser Schwefelverbindungen beteiligt ist, deutlich mehr Kopien als bei den meisten anderen Früchten. Das erklärt, warum der Geruch so viel stärker ausfällt als bei einer reifen Ananas oder Mango.

Warum isst man sie trotzdem? Weil Geruch und Geschmack bei der Durian überraschend wenig miteinander zu tun haben. Wer den ersten Bissen hinter sich hat, beschreibt oft ein süßes, fast cremiges Aroma, das mit der stechenden Note in der Nase kaum etwas gemein hat. Die Zunge schmeckt etwas völlig anderes, als die Nase vorher gemeldet hat. Genau dieser Bruch ist es, der aus Durian-Skeptikern nach zwei, drei Versuchen manchmal Fans macht.

Geschmack ehrlich beschrieben

Es gibt keine neutrale Beschreibung, die allen gerecht wird, seien wir ehrlich. Am ehesten trifft man den Kern mit einem Vergleich: karamellisierte Zwiebeln, Vanillepudding und reifer Käse, verrührt zu einer einzigen cremigen Masse. Manche schmecken zusätzlich Mandel, andere Knoblauch, wieder andere schwören auf eine Note wie geschmolzene Schokolade mit einem Hauch Alkohol. Die Konsistenz erinnert an eine sehr reife Avocado: weich, buttrig, fast schmelzend auf der Zunge.

Was die meisten Erstesser überrascht: Die Süße kommt sofort und deutlich, erst danach schiebt sich die schwefelige Komponente nach. Wer Durian zum ersten Mal probiert, sollte klein anfangen. Ein Stück von der Größe eines Löffels reicht, um sich ein ehrliches Bild zu machen, ein einziger großer Bissen überfordert fast jede ungeübte Zunge.

Herkunft und Anbau

Ursprünglich stammt die Durian aus dem Regenwald von Borneo und Sumatra, wo sie seit Jahrhunderten wild wächst und von Elefanten, Orang-Utans und Tigern verbreitet wird, die reife Früchte vom Boden fressen. Heute wird sie kommerziell vor allem in Thailand, Malaysia, Indonesien, Vietnam und auf den Philippinen angebaut. Thailand ist mit weitem Abstand der größte Exporteur, ein Großteil der Ernte geht mittlerweile nach China, wo die Nachfrage in den letzten Jahren stark gestiegen ist.

Die Bäume brauchen ein tropisches Klima ohne Frost und viel Niederschlag, außerdem mehrere Jahre, bevor sie zum ersten Mal Früchte tragen, oft erst nach vier bis fünf Jahren, bei manchen Sorten noch später. Geerntet wird traditionell so, dass man wartet, bis die reife Frucht von selbst vom Baum fällt, häufig nachts. Wer unter einem Durian-Baum campt, tut das nicht ohne Grund: Die stachelige Schale einer herabfallenden Frucht kann bei einem Treffer auf den Kopf ernsthaft verletzen.

Durian öffnen und essen

Die Schale ist der erste Widerstand. Sie brauchen ein robustes Messer und am besten Handschuhe, denn die Stacheln sind hart und spitz. Die Frucht hat natürliche Nahtlinien, entlang derer sich die Schale mit etwas Druck aufhebeln lässt, ähnlich wie bei einer Kokosnuss. Setzen Sie die Messerspitze an einer Naht an und drehen Sie vorsichtig, bis die Schale nachgibt und sich ein Fach öffnet.

Im Inneren liegen die einzelnen Fruchtfächer mit dem cremigen Fleisch um die Kerne. Das Fruchtfleisch lösen Sie einfach mit den Fingern oder einem Löffel heraus. Die Kerne selbst isst man nicht roh, gekocht oder geröstet sind sie essbar, spielen im Alltag aber kaum eine Rolle. Am besten schmeckt Durian pur und zimmerwarm, direkt nach dem Öffnen. Wer den Geruch in der Wohnung vermeiden möchte, öffnet die Frucht am besten auf dem Balkon oder im Garten, danach zieht der Geruch noch stundenlang durch die Räume.

Nährwerte

Durian ist unter den Früchten ein Ausreißer, kalorisch spielt sie fast in einer eigenen Liga. Laut der US-Nährwertdatenbank USDA liefern 100 Gramm rohes Fruchtfleisch etwa 147 Kilokalorien, dazu rund 5 Gramm Fett, 27 Gramm Kohlenhydrate und knapp 4 Gramm Ballaststoffe. Zum Vergleich: Ein Apfel kommt auf gerade einmal 52 Kilokalorien pro 100 Gramm. Dafür liefert Durian nennenswerte Mengen Vitamin C, Kalium, Folsäure und B-Vitamine, insgesamt ein sehr nährstoffdichtes Lebensmittel, nur eben kein kalorienarmes.

Eine Besonderheit, die viele nicht kennen: Eine japanische Untersuchung der Universität Tsukuba aus dem Jahr 2009 fand Hinweise darauf, dass Inhaltsstoffe der Durian den Alkoholabbau im Körper hemmen können, ähnlich wie das Medikament Disulfiram, das bei der Alkoholentwöhnung eingesetzt wird. In Südostasien ist die Warnung, Durian nicht zusammen mit Alkohol zu essen, deshalb seit Generationen bekannt. Der Mechanismus ist wissenschaftlich noch nicht vollständig geklärt, vorsichtshalber sollten Sie die Kombination trotzdem meiden.

Wo Sie Durian in Deutschland bekommen

Frische Durian ist hierzulande die Ausnahme, der lange Transportweg und die kurze Reifezeit machen den Import kaum wirtschaftlich. Was Sie in gut sortierten Asia-Märkten und im spezialisierten Online-Handel finden, ist fast immer tiefgekühlte Durian, meist aus Thailand. Tiefgekühlt verliert die Frucht etwas an Aroma, bleibt geschmacklich aber erkennbar und ist für einen ersten Versuch völlig ausreichend. Aufgetaut sollten Sie sie innerhalb von ein bis zwei Tagen essen, danach verliert das Fruchtfleisch schnell an Konsistenz.

Häufige Fragen zur Durian

Stimmt es, dass Durian in Flugzeugen und Hotels verboten ist?

Ja, das ist keine Legende. Mehrere Fluggesellschaften in Asien, darunter Thai Airways, sowie zahlreiche Hotels in Singapur, Malaysia und Thailand verbieten die Mitnahme frischer Durian ausdrücklich. In öffentlichen Verkehrsmitteln in Singapur gilt dasselbe. Grund ist der Geruch, der sich in geschlossenen Räumen extrem hartnäckig hält.

Muss man Durian mehrmals probieren, um sie zu mögen?

Bei vielen Erstessern tatsächlich ja. Der erste Kontakt mit dem Geruch überlagert oft den Geschmackseindruck, erst wenn man weiß, was einen erwartet, kann man das cremige Aroma losgelöst vom Geruch wahrnehmen. Manche mögen Durian schon beim ersten Versuch, bei anderen dauert es drei oder vier Anläufe.

Kann man zu viel Durian essen?

Wegen des hohen Kaloriengehalts sollten Sie es nicht übertreiben, zwei bis drei Fruchtfächer gelten in Südostasien als übliche Portion. In sehr großen Mengen wird zudem gelegentlich von Blähungen berichtet, ein Zeichen, dass der Körper mit der ungewohnten Ballaststoff- und Fettmenge zu tun hat. Menschen mit Diabetes sollten den hohen Zuckergehalt im Blick behalten.

Wenn Sie durch diesen Beitrag neugierig auf mehr exotische Früchte geworden sind: In unserem Exoten-Sortiment im Shop finden Sie neben Durian weitere Raritäten aus aller Welt, wahlweise einzeln bestellt oder als Teil einer Obstkiste im Abo, dann kommt der nächste Exot ganz von allein zu Ihnen. Einen Überblick über alle Obstsorten von A bis Z, samt Saisonkalender und Verwertungstipps, gibt unser Beitrag Obst von A-Z. Wer nach der Durian lieber wieder etwas Vertrautes probieren möchte, wird im Beitrag zur Kiwi fündig, einer Frucht, die geschmacklich für deutlich weniger Diskussionsstoff sorgt.

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