Drachenfrucht: Herkunft, Geschmack und Zubereitung der Pitahaya

In der Obstkiste liegt etwas, das aussieht, als käme es aus einem anderen Zeitalter: eine pinke, ovale Frucht mit grünen, flammenartigen Schuppen, die sich nach außen biegen wie kleine Zungen. Wer die Drachenfrucht zum ersten Mal in der Hand hält, dreht sie erst einmal um, sucht nach einer Öffnung, einem Stiel, irgendeinem Hinweis, wie man da herankommt. Aufgeschnitten zeigt sich dann weißes Fruchtfleisch, gesprenkelt mit winzigen schwarzen Kernen, wie ein umgedrehter Sternenhimmel. Der erste Bissen überrascht die meisten, allerdings nicht so, wie sie es erwartet haben.

Was ist die Drachenfrucht?

Die Drachenfrucht, botanisch unter dem Namen Pitahaya oder Pitaya bekannt, ist keine Frucht eines Baumes, sondern die einer Kaktusart. Genauer: Sie wächst an kletternden Kakteen der Gattungen Hylocereus und Selenicereus, die sich mit Luftwurzeln an Bäumen, Mauern oder Rankgittern festhalten und mehrere Meter lang werden können. Die Blüte öffnet sich nur eine einzige Nacht lang, weshalb sie im Englischen den schönen Beinamen „Queen of the Night“ trägt. Bestäubt wird sie in ihrer Heimat vor allem von Fledermäusen und Nachtfaltern, die dem betörenden Duft der großen weißen Blüte folgen.

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Was Sie in der Kiste finden, ist botanisch also eine Beere, auch wenn das bei der stacheligen, schuppigen Schale kaum jemand vermuten würde. Eine reife Frucht wiegt zwischen 300 und 800 Gramm und ist damit deutlich größer als die meisten heimischen Beeren.

Die drei Sorten: weiß, rot und gelb

Nicht jede Drachenfrucht schmeckt gleich, und der Unterschied liegt nicht allein in der Schalenfarbe.

  • Weißfleischige Drachenfrucht (Hylocereus undatus). Die häufigste Sorte im Handel: pinke Schale, weißes Fruchtfleisch mit schwarzen Kernen. Mild im Geschmack, das ist die Sorte, die den meisten Menschen zuerst begegnet.
  • Rotfleischige Drachenfrucht (Hylocereus costaricensis). Innen und außen kräftig pink bis magenta, deutlich süßer und intensiver im Aroma als die weiße Variante. Der rote Farbstoff, sogenannte Betalaine, kann Urin und Stuhl vorübergehend rötlich verfärben, das ist harmlos und kein Grund zur Sorge.
  • Gelbe Drachenfrucht (Selenicereus megalanthus). Kleiner, mit stachelloser gelber Schale und weißem Fruchtfleisch. Gilt unter Kennern als die süßeste und aromatischste der drei Sorten, ist aber im europäischen Handel deutlich seltener und entsprechend teurer.

Im Zweifel verrät ein Blick auf die Fruchtfleischfarbe nach dem Aufschneiden mehr über den zu erwartenden Geschmack als die Schale von außen.

Geschmack ehrlich eingeordnet

Wer beim ersten Bissen eine Geschmacksexplosion erwartet, wird meistens enttäuscht, das muss an dieser Stelle einmal klar gesagt werden. Die weiße Variante schmeckt mild, leicht süß, mit einer wässrigen Konsistenz, die manche an eine Kreuzung aus Kiwi und Birne erinnert, andere finden sie fast geschmacksneutral. Die kleinen schwarzen Kerne sorgen für einen angenehmen, leichten Crunch, tragen geschmacklich aber kaum etwas bei.

Die rote Sorte macht hier einen echten Unterschied: süßer, saftiger, mit einer Note, die entfernt an Beeren erinnert. Wer schon einmal von einer Drachenfrucht enttäuscht war, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit eine unreife weiße Frucht erwischt. Der Reifegrad entscheidet bei dieser Frucht über fast alles.

Ein einfacher Reifetest: Die Schale sollte leicht nachgeben, wenn Sie sanft mit dem Daumen drücken, ähnlich wie bei einer reifen Avocado. Ist sie steinhart, braucht die Frucht noch ein paar Tage bei Zimmertemperatur. Trocknen die grünen Schuppenspitzen ein und werden braun, ist das normal und kein Zeichen von Verderb, solange die Schale selbst noch straff und die Farbe kräftig ist.

Aufschneiden und essen

Die Zubereitung ist denkbar einfach, komplizierter als bei einer Melone ist sie nicht.

  1. Die Drachenfrucht der Länge nach halbieren, mit einem normalen Küchenmesser.
  2. Mit einem Löffel das Fruchtfleisch aus jeder Hälfte lösen, ähnlich wie bei einer Avocado. Es löst sich meist in einem Stück von der Schale.
  3. Das Fruchtfleisch in Würfel oder Scheiben schneiden.
  4. Alternativ: Die Frucht schälen wie eine Kiwi und anschließend in Stücke schneiden.

Am besten schmeckt Drachenfrucht gut gekühlt, direkt aus dem Kühlschrank. In der Küche lässt sie sich vielseitig einsetzen: pur als Snack, gewürfelt im Obstsalat, püriert im Smoothie, wo sie vor allem für die auffällige Farbe sorgt, oder gefroren und anschließend zu einer Art Sorbet verarbeitet. Die Schale selbst ist nicht zum Verzehr gedacht, sie wird immer entfernt.

Nährwerte

Drachenfrucht ist kalorisch ein Leichtgewicht. Laut der US-Nährwertdatenbank USDA liefern 100 Gramm rohes Fruchtfleisch etwa 50 bis 60 Kilokalorien, dazu einen hohen Wasseranteil von rund 85 Prozent. Nennenswert sind der Ballaststoffgehalt, der zur normalen Verdauung beiträgt, sowie kleinere Mengen Vitamin C, Magnesium und Eisen. Die rote Sorte enthält zusätzlich Betalaine, sekundäre Pflanzenstoffe mit antioxidativer Wirkung, wie sie auch aus Roter Bete bekannt sind. Erste Laborstudien zu diesen Farbstoffen sind interessant, lassen sich aber nicht ohne Weiteres auf konkrete Gesundheitswirkungen beim Verzehr weniger Früchte im Alltag übertragen. Wer bei gesundheitlichen Fragen sicher gehen möchte, sollte sich an eine Ernährungsfachkraft oder die Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) halten, statt sich auf einzelne Blogbeiträge zu verlassen, auch nicht auf diesen hier.

Herkunft und Pflanze

Ursprünglich stammt die Pitahaya aus den tropischen Wäldern Mittelamerikas, vor allem aus Mexiko und Guatemala, wo die Kletterkakteen wild an Bäumen emporwachsen. Von dort gelangte die Pflanze im 19. Jahrhundert nach Südostasien, mutmaßlich über französische Kolonisten nach Vietnam, wo sie bis heute unter idealen klimatischen Bedingungen im großen Stil kultiviert wird.

Vietnam ist mittlerweile der weltweit größte Produzent und Exporteur von Drachenfrucht, gefolgt von Thailand, China und Israel. Für den Anbau braucht die Pflanze ein Klima ohne Frost, viel Sonne und vor allem ein Klettergerüst: Auf Plantagen wachsen die Kakteen typischerweise an einfachen Betonpfosten empor, an denen sie sich mit ihren Luftwurzeln festhalten, ein Anblick, der eher an einen Weinberg erinnert als an eine klassische Obstplantage. Eine Pflanze trägt mehrmals im Jahr Früchte und kann bei guter Pflege viele Jahre lang ernten liefern.

Nach Deutschland kommt Drachenfrucht fast ausschließlich per Luft- oder Schiffsfracht, meist aus Vietnam oder Israel. Die robuste Schale macht die Frucht dabei transportfreundlicher als viele andere Exoten, sie übersteht den langen Weg in aller Regel gut, solange sie noch nicht vollreif geerntet wurde.

Häufige Fragen zur Drachenfrucht

Kann man die Kerne der Drachenfrucht mitessen?

Ja, die kleinen schwarzen Kerne sind essbar und werden beim Verzehr einfach mitgegessen. Sie tragen kaum zum Geschmack bei, geben dem Fruchtfleisch aber einen leichten Crunch.

Warum schmeckt meine Drachenfrucht nach fast nichts?

Meist liegt es am Reifegrad oder an der Sorte. Weißfleischige Früchte schmecken generell milder als rote, und eine zu früh geerntete Frucht bleibt fast geschmacksneutral. Lassen Sie die Frucht bei Zimmertemperatur nachreifen, bis die Schale leicht nachgibt, dann entfaltet sich das Aroma deutlicher.

Ist es normal, dass Urin nach roter Drachenfrucht rosa gefärbt ist?

Ja, das ist eine harmlose Reaktion auf die Betalaine im roten Fruchtfleisch, denselben Farbstoffen, die auch Rote Bete diese Verfärbung verursachen lassen kann. Sie verschwindet innerhalb eines Tages von selbst wieder und ist kein Grund zur Beunruhigung.

Wer nach der Drachenfrucht Lust auf noch mehr exotische Raritäten bekommen hat, findet im Exoten-Sortiment im Shop weitere ungewöhnliche Früchte, einzeln bestellbar oder als Ergänzung zur Obstkiste im Abo. Die Litschi ist mit ihrem intensiveren Aroma ein guter nächster Halt für alle, die von der milden Pitahaya mehr wollen, während die Durian das genaue Gegenteil bietet: eine Frucht, an der sich niemand mehr die Zähne an Zurückhaltung ausbeißt. Einen Überblick über alle Obstsorten von A bis Z liefert unser Beitrag Obst von A-Z.

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